Praxis Dr. med. Lukas Eberle

halsnasenohrenarzt.ch

Samstagsgespräch über Ohrenklinik (Bote der Urschweiz)

«Eigentlich gehört das neue Spital ein bisschen allen Schwyzern»

Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt Lukas Eberle ist überglücklich. Dank vielen Spenden konnte der Spitalbau in Nepal vollendet werden. Die Schwyzer Bevölkerung hat zu einem grossen Teil zur Realisierung der Ohrenklinik beigetragen.

Porträt Lukas Eberle

Das Spital in Pokhara ist fertig erstellt. Wie war es für Sie, als Sie es das erste Mal sahen?
Ich war überwältigt und glücklich.

Können Sie Ihr Glück beschreiben?
Über die Baupläne und die Webkamera habe ich den Baufortschritt mitverfolgt, das Gebäude mit eigenen Augen zu sehen, war aber etwas komplett anderes.

Gab es Freudentränen?
Ja. Ich war während meines ganzen Einsatzes von zwei Wochen im neuen Spital in Nepal nahe am Wasser gebaut.

Konnte die Klinik wie auf der Homepage angekündigt für 1,5 Mio. Franken gebaut werden?
Die Baukosten liegen etwas tiefer als veranschlagt. Dies dank dem starken Franken und der effizienten Arbeit unserer Partner in Nepal.

Eine Ohrenklinik zu haben, ist das eine. Sie muss auch betrieben und unterhalten werden. Es braucht Patienten, Fachkräfte, Hilfspersonal, technische und medizinische Geräte. Ist das alles gewährleistet?

Dank der unglaublich grosszügigen Unterstützung der Schwyzer Bevölkerung sind wir auch nach dem Bau der Klinik und hinsichtlich des Betriebsbudgets auf gesunden Beinen, sodass der Betrieb für die nächsten Jahre gesichert ist. Das gesamte nepalesische Personal, das uns all die Jahre in die Ohrchirurgie-Camps begleitet hat, arbeitet nun im Spital.

Wer leitet das Spital aktuell?
Der Arzt Mike Smith, ein Engländer. Er arbeitete über zehn Jahre als Ohrenarzt in Nepal. Nun ist er nach seiner Praxistätigkeit in England mit seiner Frau wieder nach Nepal zurückgekehrt. Er leitet das Spital und finanziert sich vollumfänglich über seine Pensionskasse.

Könnte der Betrieb des Spitals in Zukunft von Nepalesen autonom geführt werden?
Dies ist unser erklärtes Ziel. Wir haben begonnen, nepalesische Ohrenärzte anzustellen, und werden regelmässig Fortbildungen durchführen.

Wie viele Menschen leben im Einzugsgebiet?
Das Einzugsgebiet ist in etwa die Hälfte der Gesamtfläche des Landes. Ein grosser Teil der 30 Mio. Nepalesen lebt aber in entlegenen Regionen.

Braucht es trotz des neuen Spitals weiterhin die Ohrchirurgie-Camps?
Ja, diese Ohrcamps werden wir weiterhin halbjährlich in den abgelegenen Dörfern durchführen.

Wie viel hat eigentlich die Schwyzer Bevölkerung gespendet?
Der Hauptanteil der Gesamtkosten wurde von der Schwyzer Bevölkerung gespendet. Das ist schlichtweg ergreifend. Eigentlich gehört das neue Spital ein bisschen allen Schwyzerinnen und Schwyzern. Vielen, vielen herzlichen Dank an alle, die uns unterstützt haben.

Eigentlich eine verrückte Idee, in einem fremden Land ein Spital zu bauen. Hatten Sie zwischendurch Angst zu scheitern?
Ich empfand es zeitweilig als Belastung. Umso dankbarer war ich, dass Stiftungsrat Peter Linggi sich aus freien Stücken ehrenamtlich total engagierte. Zusätzlich habe ich mit Christina Furrer eine äusserst kompetente Nepal-Administratorin angestellt, die übrigens privat finanziert wird. Mit diesen beiden kam das Projekt mit Riesenschritten voran.

Was brachte den Durchbruch, die Garantie fürs Gelingen?
Wir haben weder Administrations- noch Personalkosten aus Spendengeldern finanziert. Die Tatsache, dass jeder Franken direkt in das Projekt fliesst, war der Schlüssel zum Erfolg.

Ist dies für die Spender entscheidend?
Ja, dieses Wissen war den Spendern sehr wichtig. Das wurde uns immer wieder gesagt.

Sie wurden denn auch von vielen Seiten unterstützt. Wie haben Sie das erlebt?
Die Wertschätzung durch die Patienten berührte mich besonders. Die regelmässige Berichterstattung im «Boten» und die beiden Weihnachtsaktionen verhalfen dem Projekt zur flächendeckenden Wahrnehmung. Und als die Schwyzer Kantonalbank einen besonders grossen Beitrag beisteuerte, wussten wir definitiv, dass der Spitalbau verwirklicht werden kann.

Was bringen Ihnen die Erfahrungen, die Sie in Nepal sammeln?
Es ist eine Win-win-Situation. Die Erfahrungen, die wir in freiwilligen medizinischen Einsätzen in Nepal sammeln, kommen später wieder unseren Patienten hier zugute.

Das ist beruflich. Und Ihnen persönlich?
Es hat mir so viel gegeben. Es ist so schön, dies zu spüren. Es kommen Leute von sich aus auf uns zu, es kommen Menschen, die an uns glauben. Blicke ich zurück, war der Anfang harzig. Dann war das Engagement total ansteckend. Es kam eine Lawine ins Rollen. Die Hilfe wurde zum Selbstläufer.

Erzählen Sie eine Anekdote über den Schwyzer Spendenwillen.
Bereits 1999, als wir das erste Mal nach Nepal zu einem Camp reisten, durfte ich von Victorinox für alle nepalesischen Mitarbeiter und unser ganzes Team 30 bis 40 Sackmesser mitnehmen. Dies in der Folge bei jedem weiteren Einsatz. Dies ist nur ein Aspekt der Unterstützung durch Victorinox und ein Beispiel dafür, dass Menschen von Beginn an an unser Projekt geglaubt haben. Ich könnte noch so viele Erlebnisse mehr erzählen.

Was sagt eigentlich Ihre Familie zur langen Abwesenheit und zu dem auch zeitlich intensiven Engagement?
Meine Frau Rita hat mich all die Jahre unterstützt. Beim Praxisstart in Brunnen haben meine Frau und ich entschieden, dass ein zeitlich beschränktes Engagement in der Dritten Welt wichtig ist. Ich konnte meine Energie in dieses Projekt stecken, weil mir meine Familie immer den Rücken freihielt.

Endet mit der Vollendung des Spitals ihr Nepal-Engagement?
Nein. Ich werde wie bisher weiterhin regelmässige Einsätze in den Ohrchirurgie-Camps leisten und die Zukunft des Spitals begleiten.

Wird es für Sie nun ruhiger?
Ja. Definitiv. Das muss auch so sein. 2016 steht keine Nepalreise an. Jetzt kann ich mich etwas zurücklehnen.

Ohrenklinik bereits in Betrieb

Am 3. November konnte die Ohrenklinik in Nepal nach zweijähriger Bauzeit eröffnet werden. Der Arzt Lukas Eberle nahm an den Eröffnungsfeierlichkeiten teil.

Die Klinik steht unter nepalesischer Leitung. Verwaltungsdirektor ist Eka Dev Devkota. Das Land, auf dem die Klinik steht, wurde von der International Nepal Fellowship (INF) im Baurecht zur Verfügung gestellt. Die Klinik konnte für weniger als die budgetierten 1,5 Mio. Franken gebaut werden. Sie ist zudem Ausbildungszentrum für nepalesische Ohrenärzte. Ohne die Spendengelder der Schwyzerinnen und Schwyzer hätte die für nepalesische Verhältnisse top ausgebaute Ohrenklinik nicht realisiert werden können. Als Dank sind alle Spender ab 10000 Franken auf einer Spendentafel des Spitals verewigt.

Quelle: Bote der Urschweiz vom 19.12.2015. Samstagsgespräch.