Praxis Dr. med. Lukas Eberle

halsnasenohrenarzt.ch

Schwyzer helfen in Nepal (Bote der Urschweiz)

Schwyzer helfen in Nepal

Kurz vor der Heimreise nach einem humanitären Einsatz wurden Schwyzer Ärzte vom Erdbeben überrascht.

Kind aus Nepal mit Verband um die Ohren

Der Brunner Arzt Lukas Eberle engagiert sich mit der Stiftung Ohrchirurgie in Nepal. Dort wird in Pokhara seit etwas mehr als einem Jahr an einer Ohrenklinik gebaut. Sie liegt genügend weit vom Epizentrum des Erdbebens entfernt und wird erdbebensicher gebaut.

Dennoch ist ein Ärzteteam, das gerade in einem Ohrenchirurgiecamp in Nepal weilte und über tausend Menschen behandelte, von der Katastrophe betroffen. Ein Teil der Ärzte reiste nach dem von der Stiftung Ohrchirurgie Nepal mit 15 000 Franken finanzierten Einsatz ins Katastrophengebiet in der Region Gorkha. Das Brunner Ärztepaar Mercedes und Hans Peter Ogal wurde nur hundert Meter vor dem Eingang zum Flughafen, unmittelbar vor der Heimreise, vom Erdbeben getroffen. Inzwischen sind die beiden zu Hause, denken aber bereits an den nächsten Einsatz in Nepal.

Brunner Ärzte vom Beben überrascht

Müde von ihrem Einsatz in einem Ohrencamp kamen Mercedes und Hans Peter Ogal am Samstag nach Kathmandu zurück – dann kam das Erdbeben.

Mercedes Ogal behandelt ein Kind.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind etwa acht Millionen Menschen von dem schweren Erdbeben im Himalaya betroffen. So viele Menschen, wie die Schweiz Einwohner hat. Unter ihnen waren auch Mercedes und Hans
Peter Ogal. Die beiden Ärzte aus Brunnen wurden nach einem humanitären Einsatz auf dem Weg zum Flughafen vom Erdbeben überrascht.

Das grosse Warten

Hans Peter Ogal im Operationssaal.

«Wir waren rund hundert Meter vom Haupteingang des Flughafens entfernt. Wir sassen im Taxi, mitten auf der Strasse», erzählt die Brunner Kinderärztin Mercedes Ogal. Zuerst hätten sie und ihr Mann während der Fahrt nicht realisiert, was los war. Sie hatten an einen Unfall gedacht, dann wurde das Auto während rund 90 Sekunden geschüttelt. Mercedes Ogal sah eine Kuh, die sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte. Sie sah Autos, die es ineinander schob, und Menschen, die aus dem Flughafengebäude flohen.

Danach kam die Angst vor Nachbeben, das grosse Warten auf den Abflug, das Schlafen im Freien, eine Nacht vor dem Hotel, die darauffolgende vor der Schweizer Botschaft.

Patienten auf später vertröstet

Hundert Nepalesen mit Verband um die Ohren warten auf ärztliche Untersuchung

Seit gestern Vormittag ist das Brunner Ärztepaar wieder zu Hause. Müde und erleichtert. Mercedes und Hans Peter Ogal reisten 2013 zum ersten Mal mit dem Brunner Hals-Nasen-Ohrenarzt Lukas Eberle in ein Ear-Camp nach Nepal. Vom 14. bis 22. April waren die beiden Ärzte wieder in Nepal im Einsatz, diesmal in Rolpa, in einer der ärmsten Region im Mittelwesten.

Sechs Ärzte waren im Einsatz, an drei Operationstischen wurde bis in die Nacht hinein nonstop operiert. Es konnten 1108 Patienten behandelt werden. 111 Menschen wurden an den Ohren operiert, einige dieser Operationen waren lebensrettend. 639 Hörtests und 317 Hörgeräteanpassungen wurden gemacht. So sehr sich das Ärzteteam einsetzt, der Strom von Menschen, die eine Behandlung nötig hätten, reisst während der Dauer eines solchen Camps nie ab.

146 der geduldig Wartenden, bei denen eine Operation erforderlich gewesen wäre, wurden medizinisch behandelt, mussten jedoch aus Kapazitätsgründen auf das Ear-Camp im Herbst verwiesen werden.

Während die Ogals nach den Anstrengungen im intensiven Ear-Camp vor dem Flughafen vom Erdbeben überrascht wurden, packten andere des Teams kurzentschlossen die Fahrzeuge mit neuem Material, um in der Region Gorkha, dem Epizentrum des Erdbebens, sofortige Hilfe zu leisten.

Der Brunner Hals-Nasen-Ohren-Arzt Lukas Eberle engagiert sich seit Jahren in Nepal. Seine Stiftung finanzierte das jüngste Ohrencamp mit über 15 000 Franken. Das neuste ehrgeizige Ziel ist der Bau einer Ohrenklinik in Pokhara. Die Stadt liegt glücklicherweise vom Epizentrum des Bebens entfernt. Die Bauarbeiten konnten im März 2014 in Angriff genommen werden. Der Innenausbau hat bereits begonnen. Anfang November 2015 ist die Eröffnung geplant. Lukas Eberle weilt gerade in den Ferien. Christina Furrer, die im administrativen Bereich die Fäden bezüglich Baufortschritt und Finanzierung der Ohrenklinik sowie der Ear-Camps in den Händen hält, erklärt: «Die massive Bauweise der Ohrenklinik liegt deutlich über den örtlichen Bauvorschriften.» Zum Schutz vor Erdbeben werde das Gebäude lediglich einstöckig errichtet. Die Türrahmen und die Dachkonstruktion bestehen aus Stahl. Die etwas teurere Variante habe sich offenbar schon gelohnt, meint Furrer.

In zwei Jahren wieder

Christina Furrer und der Schwyzer Peter Linggi besichtigen den Bau der Ohrenklinik.

Trotz den Erlebnissen nach dem schweren Erdbeben und der Zeit zwischen Bangen und Hoffen wollen die Brunner Ärzte weiter helfen: «Wir haben vor, in zwei Jahren wieder nach Nepal zu gehen», sagt Mercedes Ogal. Sie würde gerne, parallel zu einem chirurgischen Camp, ein Kindercamp durchführen. Ogals und alle anderen Ärzte arbeiten jeweils freiwillig und ehrenamtlich an diesen Camps. Sie finanzieren ihre Reise, Verpflegung und Unterkunft selbst und kaufen meist auch noch Material und Medikamente selber ein, die dann vor Ort an die Patienten verteilt werden. Mercedes Ogal sagt: «Wer aus der Region jetzt in Nepal helfen möchte, sollte die Stiftung von Lukas Eberle unterstützen. Diese Spendengelder werden ohne Verluste und direkt an die betroffenen Stellen weitergeleitet.»

Warum so viele Ohrenleiden?

«Ohrenkrankheiten sind in Nepal vor allem aus Gründen der Armut weit verbreitet», erklärt Christina Furrer. Die Gründe sind Unterernährung, prekäre hygienische Verhältnisse, geringe medizinische Versorgung und finanzielle Armut. Kinderärztin Mercedes Ogal weist auf die klimatischen Verhältnisse hin. In den hoch gelegenen Dörfern wechseln Kälte und Wärme. Es komme leicht zu einer Infektion. Viele Kinder hätten Eiter in den Ohren, es bestehe das Risiko eines Tumors. «Eitrige Ohren stinken», weiss die Ärztin. Betroffene Mädchen im heiratsfähigen Alter würden keinen Partner finden und seien deswegen verloren.

Einzahlungen an die Stiftung Ohrchirurgie Nepal, Bahnhofstrasse 31, Brunnen: Raiffeisenbank Waldstätte, Brunnen. Kontonummer: 87667.53.
IBAN: CH50 8135 1000 0087 6675 3.

Quelle: Bote der Urschweiz vom 29.04.2015. Frontseite, Seite 9.