Praxis Dr. med. Lukas Eberle

halsnasenohrenarzt.ch

Medienbericht Nepal (Neue Schwyzer Zeitung)

«Man braucht einen Schutzengel»
Der Brunner Schönheitschirurg Lukas Eberle erlebt bei seinen Einsätzen in Nepal berührende und faszinierende Momente. Nun wird seine Stiftung Ohrchirurgie Nepal ausgezeichnet.

Die Stiftung Ohrchirurgie Nepal wird von der Alois-und-Jeanne-Jurt-Stiftung mit einem Preis ausgezeichnet. Die Stiftung Alois und Jeanne Jurt unterstützt im Kanton Schwyz, in der Zentralschweiz und speziell in der Dritten Welt Projekte zur Förderung von Bildung, Gesundheit und Erziehung. Die Stiftung spricht regelmässig Anerkennungs- und Förderpreise aus. Der mit 25000 Franken dotierte Preis wird am 1. Juni 2013 zum elften Mal verliehen. Die Preisverleihung findet um 15 Uhr in der Klosterkirche Ingenbohl statt.

Was bedeutet Ihnen der Preis, der Ihrer Stiftung Ohrchirurgie Nepal verliehen wird?
Lukas Eberle: Das Geld dieses Preises bringt uns einen Schritt näher zur Realisierung unseres ambitionierten Spitalbauprojektes: «1 Million Schweizer Franken für eine Ohrenklinik in Nepal!» Wenn durch diese Preisverleihung neue mögliche Spender auf unser Anliegen aufmerksam werden, dann haben wir den «Füfer und s Weggli».

Wann reisen Sie wieder nach Nepal?
Ich fliege jedes zweite Jahr im November nach Nepal. Heuer bin ich wieder im Camp mit dabei. Unsere Stiftung Ohrchirurgie Nepal bezahlt aber die kompletten Ausgaben für alle Ohrchirurgie-Camps, das heisst zweimal pro Jahr.

Welche Erfahrungen sammeln Sie in Nepal?
Diese Arbeit gibt mir eine extreme Befriedigung, beruflich und menschlich. Natürlich ist es streng, aber ich profitiere auch sehr von diesen Erfahrungen. Die Unterkunft ist spartanisch, das Essen oft eintönig. Der Magen rebelliert manchmal. Nachts kann es auch mal kalt und feucht sein, Strom ist nicht garantiert. Man ist regelmässig mit chirurgisch anspruchsvollen Fällen konfrontiert und sehr gefordert. Die Arbeitstage inklusive Wochenende können von 8 Uhr morgens bis um Mitternacht dauern, eine Operation nach der anderen. Doch gerade diese Herausforderung ist für mich sehr befriedigend, sie zu meistern, gibt einem enorm viel zurück.

Sie profitieren also auch selber?
Ja, denn ich gebe auch zu, dass ich von diesen Operationen völlig fasziniert bin! Sie sind die «Rosinen» der Chirurgie in meiner Fachdisziplin! Es ist ein Privileg, dort zu helfen und operieren zu dürfen. Im Team lernt man unglaublich spannende Menschen kennen, darunter natürlich auch Berufskollegen aus verschiedenen Ländern. Sie haben den gleichen Beruf, und doch ist so vieles anders in ihrer Heimat. Man verbringt also mit bisher unbekannten Menschen eine intensive Zeit, ist Tag und Nacht auf engem Raum mit ihnen zusammen. Es ist ein richtiges Abenteuer! Ich freue mich immer auf diese kleine Auszeit. Es ist ein Geben und ein Nehmen.

Wie erleben Sie die Begegnungen mit den kranken Menschen?
Es sind sehr eindrückliche Begegnungen, die Menschen dort sind sehr demütig, einfach bewundernswert. Es sind massenhaft Leute, die wahnsinnig froh sind, dass wir ihnen helfen. Da kommen oft auch ältere Menschen zu uns, die mehrere Tage Fussmarsch auf sich nehmen. Sie übernachten im Wald und nehmen das alles auf sich, um sich oder ihr Kind bei uns behandeln zu lassen. Man sieht aber auch Menschen, die wegen ihrer Krankheit ausgegrenzt worden sind. Eine Frau, deren Ohr eitert und stinkt, kann in Nepal nicht mehr verheiratet werden. Bei einem Mann aber ist es kein Problem. In jedem Camp operieren wir etwa ein Dutzend oft junge Patienten und Kinder, deren chronische Ohr- und Knocheneiterung (Fachbegriff Cholesteatom) so fortgeschritten ist, dass sie ohne unsere Hilfe an den Komplikationen gestorben wären. Dass wir solchen Patienten helfen dürfen, ist ein unglaubliches Privileg.

Welche Erlebnisse haben Sie besonders geprägt?
Wir haben einmal einen jungen Mann behandelt, dessen Cholesteatom so stark ausgeprägt war, dass es den Schädelknochen dort, wo der Gesichtsnerv verläuft, richtig zerfressen hat. Er ist dadurch nicht nur auf einem Ohr taub geworden, sondern auch auf der einen Gesichtshälfte vollständig gelähmt. Dadurch konnte er das Auge nicht mehr schliessen, es ist ausgetrocknet und erblindet. Und das alles nur wegen einer nicht behandelten Ohrentzündung! Er hat wegen des Eiters im Ohr stark gestunken und wurde von seiner Familie und dem ganzen Dorf verstossen. Als er zu uns gekommen ist, hat er sich für seine alten, stinkenden Kleider geschämt. Doch er besass nichts anderes, denn er lebte vom Betteln. Wir konnten ihm mit der Operation wenigstens sein Leben retten, die einseitige Gesichtslähmung, Taubheit und Blindheit aber sind geblieben. Wir haben ihm frische Kleider geschenkt und etwas Geld aus der Portokasse mitgegeben. So konnten wir ihm wenigstens hoffentlich wieder etwas Würde zurückgeben. Das sind sehr berührende Momente.

Sind die Menschen in Nepal dankbar für die medizinischen Behandlungen?
Ja, extrem, ich bin begeistert von der Art dieser Menschen. Diese Landbewohner sind arm und zufrieden. Ich würde behaupten, sie sind mindestens so zufrieden wie der Durchschnittsschweizer, obwohl sie in Armut leben. Ich habe das Gefühl, dass sie mit Schicksalsschlägen umgehen können, sie haben wohl gar keine andere Wahl. Sie sind aber sehr dankbar, wenn man ihr Schicksal positiv beeinflussen kann.

Was fasziniert Sie bei diesen Einsätzen?
Es ist für mich sehr beeindruckend, dass wir unter total einfachen Bedingungen und Umständen absolute Hightech-Medizin auf so hohem Niveau anbieten, dass ich selber mich dort ohne Bedenken operieren lassen würde. Die anderen Ohrchirurgen sind oft extrem gut, sodass ich auch viele chirurgische Tricks über all die Jahre gelernt habe, von denen dann wieder meine Patienten in der Schweiz profitieren können. Andererseits bin ich mir aber bewusst, dass man mit den anspruchsvollen Eingriffen auch verheerende Komplikationen verursachen kann. Man braucht also auch einen Schutzengel. Zum Glück gab es bisher nie gravierende Komplikationen. Besonders faszinierend war ein Einsatz in einer abgelegenen Region. Ich habe erfahren, dass in dieser Region überhaupt noch nie ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt war. Da kam mir unweigerlich der grosse Albert Schweitzer in den Sinn.

Wie viele Menschen können pro Einsatz behandelt werden?
Wir behandeln während der elf Tage bis zu 1500 Patienten. Wir geben bis zu 150 Hörgeräte ab und operieren bis zu 150 Menschen pro Einsatz. So ein Camp kostet aber nur 15000 Franken. Die gelegentlichen Camps mit Helikopterflügen sind deutlich teurer.

Wie ist das möglich, mit 15000 Franken kann man in der Schweiz doch nur gerade die Kosten für zwei anspruchsvolle Ohreingriffe bezahlen?
Im Unterschied zu vielen anderen karitativen Organisationen können wir es uns leisten, dass wir keinen einzigen Franken der Spendengelder für administrative Arbeiten benötigen. Wir arbeiten alle ehrenamtlich und bezahlen unseren Flug, unser Essen und andere Kosten vor Ort selber. Natürlich arbeiten alle ausländischen Fachkräfte des Teams gratis, die nepalesischen Mitarbeiter werden für dortige Verhältnisse gut bezahlt. Nur so ist es möglich, mit so wenig Geld so viel zu erreichen.

Wie hat die Entwicklungsarbeit Sie verändert?
Ich sehe vor allem, dass ich wahnsinnig privilegiert bin, weil wir es in der Schweiz so schön haben. Die Arbeit in der Schweiz befriedigt mich aber auch extrem, ich sage immer, dass ich meinen Traumjob gefunden habe! Aber wenn ich in Nepal bin und Patienten behandle, von denen ich weiss, dass sie ohne Operation stark leiden oder sogar sterben könnten, gibt einem das eine grosse Befriedigung und Zufriedenheit.

Ist die Schönheitschirurgie, die Sie in der Schweiz anbieten, im Vergleich zu Ihren Hilfseinsätzen nicht gerade zu banal?
Nein, überhaupt nicht, im Gegenteil! Schönheitschirurgie muss für mich ganz einfach vernünftig sein. Ich bin gegen Hollywood-Nasen und solche Sachen. In der Schweiz ist das aber auch kein Problem. Aber gerade eine kosmetische Nasenkorrektur ist ein äusserst anspruchsvoller Eingriff. Wenn der Eingriff gelingt, kann das bei einem Menschen, der unter seiner Nasenform litt, nicht nur die Harmonie im Gesicht, sondern auch das Selbstwertgefühl des Patienten günstig beeinflussen. So ist es für beide eine sehr befriedigende Sache. Es gibt in meinem Fachgebiet, abgesehen von den Tumorpatienten, wohl keine dankbareren Patienten.

Ist es schwierig, Spendengelder für die geplante Spezialklinik in Pokhara zu generieren?
Es ist einfach sehr zeitintensiv. Wir haben überwiegend positive Rückmeldungen. Viele Schweizer sind bereit, etwas abzugeben und arme Menschen zu unterstützen. Ich glaube, dass dies ein typisch schweizerischer Charakterzug ist.


Jedes zweite Jahr nach Nepal für Behandlungen
Lukas Eberle ist Facharzt FMH für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten sowie Hals- und Gesichtschirurgie. Er führt seit 1997 eine eigene Praxis in Brunnen. Eberle operiert ausserdem in den Spitälern Schwyz und Einsiedeln.

Der 52-Jährige reist seit 1999 im Auftrag der International Nepal Fellowship (INF) jedes zweite Jahr nach Nepal, um dort Patienten gratis zu behandeln. Die INF ist die erste medizinische Hilfsorganisation, die von der nepalesischen Regierung offiziell anerkannt wurde.

2007 gründete Lukas Eberle die Stiftung Ohrchirurgie Nepal. Diese kümmert sich unter anderem um die Finanzierung der geplanten Spezialklinik für Ohrkranke in der Stadt Pokhara in Nepal. Mit dem Bau der Klinik soll Ende 2013 begonnen werden (Bauzeit 2 Jahre). Die Baukosten für die gesamte Klinik betragen 1 Million Schweizer Franken, wobei die exponentiell steigenden Kosten für Beton und Stahl im Land das errechnete Budget stark gefährden. Bisher konnte die Stiftung für den Klinikbau 600000 Franken sammeln (Stand März 2013).

Lukas Eberle ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Söhne. Er lebt zusammen mit seiner Familie in Brunnen.

Quelle: Neue Schwyzer Zeitung, “Man braucht einen Schutzengel”
Autorin: Andrea Schelbert