Praxis Dr. med. Lukas Eberle

halsnasenohrenarzt.ch

Pressemitteilung Ohrchirurgie in Nepal (Schweizerische Ärztezeitung)


Der Ohrenarzt Lukas Eberle und seine Einsätze in Nepal
Hörgeräte und Schokolade

Der Hals-Nasen-Ohren-Spezialist Dr. med. Lukas Eberle FMH aus Brunnen (Kanton Schwyz), der sich u.a. auf mikroskopische Mittelohrchirurgie spezialisiert hat, reist seit vielen Jahren immer wieder in arme Regionen der Welt, um vor Ort mittellosen Menschen wirksame ohrchirurgische Hilfe anzubieten. 1999 begannen die Einsätze in Nepal. Seinen bislang letzten Einsatz absolvierte er dort im Dezember 2007.

Im Ambulatorium behandelten wir 1200 Patienten in 8 TagenWarum Einsätze in Nepal? Nepal mit seinen rund 25 Millionen Einwohnern ist ein armes Land. Besonders spür- und sichtbar ist das im Westen des Himalayastaates, wo seit Jahren wegen des immer wieder aufflackernden Bürgerkrieges zwischen Regierungstruppen und maoistischen Rebellen die weitentfernte Hauptstadt Kathmandu kaum mehr Investitionen in die Infrastruktur leistet. Hygiene und medizinische Betreuung sind schier inexistent.

Warum der Einsatz eines Ohrenspezialisten? Ohrenleiden sind in Nepal sehr häufig, berichtet Eberle. Weil der Zugang zur medizinischen Versorgung so schlecht ist, werden Ohren- und Halskrankheiten – wenn überhaupt – erst sehr spät diagnostiziert. Entsprechend setzt eine Behandlung spät oder gar nicht ein. Ein Drittel aller Invaliditätsfälle im Land geht auf das Konto nicht behandelter Ohrenerkrankungen. In Nepal mangelt es an Fachleuten für Mittelohroperationen, und der Arzt Lukas Eberle versteht seine Einsätze auch als willkommene Gelegenheit, Wissen und Erfahrung in seinem angestammten Fachbereich weiterzugeben, aber auch zu vergrössern. Denn in der Schweiz sind Erkrankungen des Mittelohres, die zu operativen Eingriffen führen, selten.


«International Nepal Fellowship»

1999 reiste Eberle erstmals ins Land am Fuss des Himalayas. Seither folgten sich alle zwei Jahre die Einsätze. Eberle reist nicht alleine, sondern in einer Fachgruppe von Ärzten (Anästhesisten, Kinderärzten, Hausärzten) und Fachpersonal (Operationsassistenten, Audiometristen, die die Hörkurve der Patienten messen). Die Einsätze werden geplant und koordiniert von der «International Nepal Fellowship» (INF), einer seit mehr als fünfzig Jahren in Nepal tätigen und von der Regierung anerkannten christlichen Stiftung mit Sitz in Birmingham, Grossbritannien. Nebst einheimischen Mitarbeitern stehen rund 500 Personen aus verschiedenen Berufsgruppen und aus vierzig Ländern für die INF in Nepal im Einsatz. Schwerpunkte ihrer Entwicklungsarbeit sind die medizinische Betreuung, die Verbesserung der schulischen Ausbildung (gerade auch für Mädchen und Frauen) und Aufforstungs- und Bewässerungsprojekte. Alle sechs Monate wird ein Ohrchirurgencamp an wechselnden Stationen im Westen Nepals organisiert und aus Geldern der von Dr. Eberle vor sechs Jahren ins Leben gerufenen Ohrchirurgiestiftung finanziert.

Die Reise (Flug, Unterkunft, Verpflegung) berappen die Teilnehmer aus der eigenen Tasche. Medikamente und Hörgeräte, die nicht aus der Schweiz mitgebracht werden, bezieht die INF aus Kostengründen in Indien. Die Kosten für ein solches karitatives Ohrchirurgiecamp belaufen sich auf 8000–15000 Franken. Pro Camp werden im Durchschnitt 90 bis 150 Ohroperationen durchgeführt, 900 bis 1500 Patienten ambulant behandelt und 60 bis 90 Hörgeräte angepasst. «Mit dem Geld für ein Camp könnten in der Schweiz gerade zwei bis drei Operationen durchgeführt oder vier bis sieben Hörgeräte angepasst werden», rechnet Eberle vor.


Einrichten der Station

Für jedes Kind hat Dr. Eberle eine kleine Überraschung dabeiBevor die Ärztegruppe eine entlegene Region aufsucht, werden die Menschen über Radio und durch lokale Helfer auf das medizinische Angebot hingewiesen. Ort und Datum des Camps werden bekanntgegeben. Die Patienten machen sich auf den Weg und sind nicht selten bis zu einer Woche zu Fuss unterwegs. Je nachdem, wie gross der Andrang ist, warten sie dann nochmals einige Tage, bis sie zur Behandlung vorgelassen werden können. Eberle ist immer wieder überrascht von der Ruhe und Geduld der Menschen. «Die Nepalesen sind äusserst dankbar, gelassen und gutmütig», meint er.

Für die Strecke vom Flughafen in Kathmandu bis zur Station benötigt die Einsatzequipe Lastwagen und Geländefahrzeuge, Kleinflugzeuge oder in besonders abgelegenen Regionen (so beim letzten Einsatz in Kalikot im Dezember 2007) Armeehelikopter, die mit Medikamenten und Operationsgeräten beladen werden. Eberle nimmt rund einen Zentner medizinischer Güter mit, darunter Ohrchirurgiebestecke, Absaugvorrichtungen, Hörgeräte und Mittelohrprothesen. Immer mit dabei hat er einen Rucksack, gefüllt mit Schokoladeriegeln für die Patienten, aber auch zur allgemeinen Hebung der Stimmung im Operationsteam. Auf diese Weise ist er zu seinem Übernamen «Chocolate Man» gekommen. Da in den Spitälern moderne technische Einrichtungen weitgehend fehlen, ist Eberle darauf bedacht, für die Einsätze Material und Einrichtungen zu organisieren, die in der Schweiz nicht mehr benötigt werden. So beschaffte er sich drei Elektrokoagulationsapparate aus den Spitälern Schwyz und Einsiedeln, wo er in der Schweiz als Belegarzt seine Patienten operiert. Dank der effizienteren chirurgischen Blutstillung können seither viel mehr Patienten im gleichen Zeitraum operiert werden. Auch zwei Operationsmikroskope (mit Bildschirm zur Instruktion der lokalen medizinischen Mitarbeiter und besuchenden Ärzte) konnten aus Schweizer Spendengeldern angeschafft werden.

Vor Ort angekommen, werden im kleinen Spital der mitgebrachte Operationssaal und das Ambulatorium eingerichtet. Apotheke und Hörkabine für den Audiometristen dürfen ebenfalls nicht fehlen.


Behandeln und Operieren

Der Einsatz vor Ort dauert acht bis zwölf Tage. Gearbeitet wird während 12 bis 16 Stunden am Tag. Vormittags sind die Patientenuntersuchungen anberaumt. Nach dem Mittagessen bis gegen Mitternacht stehen die Operationen an. Bei seinem zehntägigen Einsatz im November 2003 beispielsweise hat der Schwyzer Arzt bei der ambulanten Behandlung von rund 1500 Personen, beim Operieren von 140 Patienten und bei 500 Hörtests mitgewirkt. Viele Patienten benötigen antibiotische Behandlungen. Die Operationen können mitunter recht kompliziert sein, der Spezialist ist gefordert. Alle Eingriffe, auch die Entfernung von Riesencholesteatomen mit Arrosion der Schädelbasis werden in lokaler Anästhesie mit Sedation durchgeführt. Die Operationstechnik ist die gleiche wie zuhause. Immer wird neben der Entfernung des Infektherdes und der Rekonstruktion des defekten Trommelfells im gleichen Eingriff eine möglichst gute Hörrekonstruktion angestrebt. Der Gehörknöchelchenersatz erfolgt durch Transposition der noch vorhandenen eigenen Anteile der Schallleitungskette oder Implantation von Gehörknöchelchenprothesen aus Titan, die Eberle jeweils aus der Schweiz mitbringt. Das richtige Umfeld für den Ohrchirurgen, der es gewohnt ist, unter dem Mikroskop zu operieren! Oft müssen schmerzhafte und übelriechende Mittelohrvereiterungen operativ behoben werden. Nicht selten kommt es vor, dass nach einer Operation der Patient überhaupt zum ersten Mal in seinem Leben richtig hört oder eine lebensgefährliche Komplikation chirurgisch behoben werden konnte. Nicht erstaunlich, da das Team ausschliesslich in medizinisch stark unterversorgten Regionen mit einer hohen Anzahl ohrkranker Menschen arbeitet. Beim letzten Einsatz in Kalikot etwa arbeitete Eberle in einer Region, in der überhaupt noch nie Hals-Nasen-Ohren-Ärzte wirkten, entsprechend eindrücklich die Pathologien, die zu behandeln waren (ausführliche bildliche Dokumentation zu diesem Einsatz unter www.halsnasenohrenarzt.ch).


Gefährlicher Einsatz

Alle 123 Patienten erscheinen zur Abschlusskontrolle und anschliessenden halbtägigen InstruktionBei seinem Einsatz im Jahr 2001 in Gorahi unweit der indischen Grenze geriet ein INF-Chirurgiecamp unversehens zwischen die Fronten. Der Ort wurde von maoistischen Guerillakämpfern überfallen, die gegen die konstitutionelle Monarchie Nepals kämpfen. Im Ort gab es Tote und Zerstörung. Das Spital war glücklicherweise nicht direkt betroffen. Die Regierung reagierte mit der Ausrufung des Notstandes und verhängte eine nächtliche Ausgangssperre. Die Lage war angespannt, das Camp lag im erweiterten Kampfgebiet. Es galt, Ruhe zu bewahren und weiterzuarbeiten, auch dann, als die Regierungstruppen den Gegenangriff starteten und die Rebellen in blutigen Gefechten wieder aus dem Ort drängten. Bleibt zu hoffen, dass die vor kurzem erzielte politische Versöhnung zwischen Rebellen und Regierung nach der Abdankung des Königs zur nachhaltigen Beruhigung der bürgerkriegsähnlichen Lage führt, unter der wie üblich die arme Bevölkerung am meisten zu leiden hat.


Zu Hause geht es weiter

Ist der Ohrenarzt nach einem zweiwöchigen Einsatz wieder zu Hause, lässt ihn die Arbeit für das Hilfswerk nicht ganz los. Es beginnt die Mittelbeschaffung für das nächste Camp. Spenden (finanziell oder materiell) von Freunden oder Bekannten und die Unterstützung seitens medizinischer Firmen ermöglichen die Finanzierung. Eberle will seine Einsätze nicht überbewertet wissen, «doch nichts tun, ist noch weniger», betont er. Mit wenig Aufwand und bescheidenen Mitteln könne nämlich sehr vielen Menschen geholfen werden, ein wichtiges Stück gesundheitlicher Lebensqualität zu erlangen, die es ihnen erlaubt, das ärmliche Leben besser zu meistern. Ein Mensch, der hört, lebt besser!

Das letzte Mal war Lukas Eberle im Dezember 2007 in Nepal. Seine Stiftung finanziert die im Halbjahresrhythmus stattfindenden Ohrchirurgie camps. Im November 2009 wird Lukas Eberle wieder zum Einsatz nach Nepal fliegen. Wer mehr über die medizinischen Camps der «International Nepal Fellowship» und die Stiftung erfahren möchte, dem sei ein Blick in die Website der Praxis Dr. Lukas Eberle empfohlen: www.halsnasenohrenarzt.ch.

Für Spenden: Stiftung Ohrchirurgie Nepal, Raiffeisenbank Waldstätte, Brunnen. Konto-Nr. 47667.53.

© Schweizerische Ärztezeitung Nr. 47/2008 - Alle Rechte vorbehalten
Autor: Rolf de Kegel, Engelberg
Originalartikel unter: http://www.saez.ch/docs/saez/archiv/de/2008/2008-47/2008-47-562.PDF